Quiet is the new loud

Eintrag vom 03.07.2007
Kategorie(n) Musik |

Kings Of Convinience

CD-Cover: Kings Of Convinience - Quiet Is The New Lood Als “die norwegische Antwort auf Simon & Garfunkel” werden sie gehandelt, diese “Könige der Zufriedenheit” aus Norwegen, Eric Glambek Boe und Erland Oye. Ob das nun konveniert oder nicht, ist womöglich eine Frage, die das Sänger/Songschreiber-Duo nicht interessiert. Der Titel ihres Albums verspricht jedenfalls genau das Richtige. So paradox seine Aussage “Ruhig ist das neue Laut” auch erscheinen mag, so zutreffend ist sie im übergeordneten Sinn.

Die CD ist von einer so allgegenwärtigen Ruhe, Milde und Sanftheit erfüllt, dass man in diesem Rahmen schon fast von Hardcore zu sprechen bereit ist. Akustikgitarren, umsichtig eingebaute Streichersätze und Minimalperkussion, die Harmoniegesänge klingen häufig wie Stills & Nash ohne Crosby & Young, die pastellfarbenen Akkordfolgen ein wenig so, wie Elliott Smith oder Roddy Frame (ex-Aztec Camera) Burt Bachrach und die junge Joni Mitchell verstanden haben könnten.

Die Texte, definitiv anrührend und alles andere als aggressiv, entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als durchaus explizit. Das “Toxic Girl” etwa: ein Mädchen, das sich selbst vergiftet, indem es sich zu vielen gibt, jeden Tag einen anderen küsst - nichts anderes als die liebevolle, mitfühlende Beschreibung einer Schlampe und ihrer Seelenqualen.

Man trifft doch immer wieder auf Leute, die jede in sich gekehrte und ruhige Musik ablehnen, die Texte nicht mögen, nur weil sie von großen Enttäuschungen und kleinen Entmutigungen handeln. Musik habe stark und möglichst powerful zu sein, man müsse die Fäuste dazu ballen können, sonst tauge sie nichts. Arme Seelen.

“Es ist gut, Musik zu machen, die man hört, wenn man traurig ist”, sagen Eric Glambek Boe und Erland Oye von der norwegischen Band Kings Of Convenience getreu dem Titel der Platte: “Quiet Is The New Loud” heißt, dass auch in der Ruhe Intensität liegt, dass ich nicht schreien kann, wenn sich mir - den Tränen nahe - der Hals zuschnürt. “Even though I’ll never need her, even though she’s only given me pain I’ll be on my knees to feed her and spend the day to make her smile again”, heißt es in dem wunderschönen Anfangstitel “Winning A Battle, Losing The War”.

Zugegeben, die Platte fällt später ab und erreicht nicht mehr die Spannung ihrer ersten Hälfte, aber was will man mehr als ein schönes Album mit hervorragend eingespielten akustischen Gitarren, gelegentlich mit Schlagzeug, Klavier und Trompete angereichert. Und obendrein wärmen einem zwei zauberhafte Stimmen die fröstelnden Ohren. Produzent Ken Nelson hat alles so natürlich belassen wie eine im norwegischen Wald verborgene Blockhütte, aus deren Kamin duftender Rauch in den Sternenhimmel emporsteigt.

Den oft angeführten Vergleich mit Simon & Garfunkel halte ich zwar für eine unbekümmert anmaßende Zuschreibung, aber ab und zu scheinen durchaus die Songwriterqualitäten eines Nick Drake oder die melancholische Stimmung von Love durch. Die größte Ähnlichkeit haben die Kings Of Convenience vielleicht mit Belle & Sebastian, klingen allerdings doch ein ganzes Stück zurückgenommener und auf das Wesentliche ihrer Musik beschränkt.

“Quiet Is The New Loud” könnte die ideale Platte sein, um eventuell gerade abgeebbtem Liebeskummer mal wieder neuen Schub zu geben oder wenn man wieder mal ein Geschenk für seine Süße braucht, es neulich erst Blumen gab und sonst keine Ideen hat. Ich garantiere, sie wird sich freuen!

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